15 Jahre, 15 Geschichten – Drei Coaches mit Herzblut dabei

18-05-2017

Im Rahmen der Reportage-Reihe „15 Jahre, 15 Geschichten“ hat Anpfiff ins Leben e.V mit Tim Wagner, Carina Schmitt und Georg Mavridis gesprochen. Die drei trainieren seit Jahren Mannschaften unter dem Dach der ganzheitlichen Jugendsportförderung. Ihrer Tätigkeit gehen sie mit großer Empathie nach. Das Ziel: junge Menschen nicht nur sportlich fördern, sondern als Bezugsperson an ihrer Seite sein.

Trainer… stehen nie auf dem Platz und doch haben sie die wichtigste Rolle in einer Fußball-Mannschaft. Sie sind oft in sich gekehrt, impulsiv, schlichtend, fordernd, wissensdurstig, emotional. Ihre Entscheidungen haben Folgen – vom Sieg der Meisterschaft bis zum Abstieg haben viele Trainerinnen und Trainer bereits die komplette Bandbreite erlebt. Sie tragen die meiste Verantwortung und vertrauen ganz stark denen, die auf dem Fußballplatz die Tore schießen.

„Du musst Spaß daran haben, mit Menschen umzugehen.“ Mit diesen acht Worten hat der ehemalige Weltklasse-Trainer Udo Lattek herrlich schlicht auf den Punkt gebracht, was nötig ist, um als Trainer Freude an seiner Tätigkeit zu empfinden.

Carina Schmitt (FC Speyer), Georg Mavridis (SG Heidelberg-Kirchheim) und Tim Wagner (FC-Astoria Walldorf) füllen diese Aussage bei Anpfiff ins Leben e.V. mit Begeisterung und Engagement.

„In meinem ersten Jahr als Trainerin habe ich den Erfolg der Mannschaft nicht so richtig greifen können. Mir wurde zwar zu der Leistung des Teams gratuliert, aber ich habe erwidert, ich hätte ja nicht auf dem Platz gestanden“, erzählt Schmitt, die die U17-Mädchen des FC Speyer trainiert, von ihrer Anfangszeit als Trainerin, „dann kam ein Vater eines Mädchens zu mir und hat gesagt: ,Die spielen für dich‘. Das hat mir viel bedeutet.“

Obwohl Schmitt erst 31 Jahre alt ist, verfügt sie über jahrelange Erfahrung als Trainerin. 2006 startete sie im Rheinland bei einem Verein in der Nähe von Koblenz. Parallel hat sie selbst gekickt. Nach dem vierten Kreuzbandriss im Jahr 2013 musste sie die Fußballschuhe schweren Herzens an den Nagel hängen. Seitdem konzentriert sich die Realschullehrerin auf den Trainerjob. Über Marcus Helfenstein, Koordinator Sport/Beruf/Soziales, kam der Kontakt zu „Anpfiff ins Leben“ zustande. „Wir haben früher in Schifferstadt zusammen die D-Jugend trainiert“, berichtet Schmitt, die inzwischen die B-Lizenz besitzt.

Ab Sommer 2017 ist Carina Schmitt eine Bundesliga-Trainerin

Im Sommer 2016 übernimmt sie die U17 in Speyer. Gleich in der ersten Saison steuert die Mannschaft auf ein nicht für möglich gehaltenes Finale zu. Den Mädchen ist der Aufstieg in die B-Juniorinnen-Bundesliga nicht mehr zu nehmen. Die anfängliche Skepsis bezüglich des enormen Aufwands inklusive weiter Auswärtsfahrten, ist der Vorfreude auf das große Abenteuer gewichen. „In Absprache mit dem Verein, den Eltern und Spielerinnen haben wir gemeinsam die Entscheidung getroffen, die Bundesliga in Angriff zu nehmen“, verrät Schmitt, „zumal aktuell fast alle Mädchen zum jüngeren Jahrgang gehören und nächstes Jahr noch B-Jugend spielen dürfen.“

Etwas jünger als die B-Juniorinnen in Speyer sind die Walldorfer Jungs von Tim Wagner. Im ungezwungenen Smalltalk erkennen die gleichaltrigen Coaches dennoch so manche Gemeinsamkeit. „Das ist ein interessantes Alter, in dem alles gleichzeitig losgeht“, sagt Wagner. Er weiß, was die Jungs in ihrer Pubertät auch neben dem Fußballplatz so alles beschäftigt.

Als Trainertyp ist Tim Wagner eher einer der Emotionaleren an der Seitenlinie. „Ich finde Typen wie Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann sehr interessant“, lässt sich der U15-Cheftrainer des FC-Astoria Walldorf entlocken, „die leben ihre Emotionen aus und das ist auch gut so. Wenn die Emotionen irgendwann einmal weg sind, dann stirbt nämlich auch der Fußball.“ Trotzdem sind sich Wagner und Schmitt einig: ausfällig werden darf man natürlich nicht – weder Trainer noch Spieler!

Tim Wagner: ständiger Wegbegleiter von „Anpfiff ins Leben“

15 Jahre „Anpfiff ins Leben“ sind beinahe auch 15 Jahre für Wagner in den verschiedenen Förderzentren. 2003 ist der Offensivspieler als B-Jugendlicher von Sandhausen zur TSG Hoffenheim gewechselt. „Als alles noch in den Kinderschuhen steckte“, erinnert sich Wagner an die Zeit im Zuzenhausener Förderzentrum.

Mit der U17 steigt er in die B-Junioren Bundesliga auf, wird Torschützenkönig, spielt anschließend zwei Jahre in der A-Junioren-Bundesliga. Zu seinen Trainern gehören unter anderem die Fußball-Lehrer Uwe Wolf und Guido Streichsbier. Während seiner A-Junioren-Zeit ist Thorsten Stoll Co-Trainer der U17 in Hoffenheim. Von 2011 bis 2014 leitet Stoll die U19 beim FC-Astoria Walldorf und holt sich Wagner 2012 als Co-Trainer an die Seite. „2013 sind wir zusammen mit dem FCA in die Bundesliga aufgestiegen, das war definitiv eines meiner Highlights“, denkt Wagner gerne an seine Anfänge als Trainer zurück.

Danach coacht der gelernte Informatik-Kaufmann zwei Jahre die U14, ehe er die U15 übernimmt. Mit Andreas Gaber steht ihm ein erfahrener Fachmann und ehemaliger Profi als Co. zur Seite. „Die Saison läuft sehr gut für uns“, erklärt Wagner Ende April 2017, als seine Jungs überraschenderweise noch realistische Aufstiegschancen haben – trotz der beinharten Konkurrenz vom 1. FC Heidenheim, SV Sandhausen oder SSV Reutlingen.

Im Jahr 2018 nimmt Wagner die Ausbildung zur Trainer-A-Lizenz in Angriff. Damit verbunden sind durchaus ehrgeizige Ziele: „Irgendwann in einem Nachwuchsleistungszentrum zu arbeiten, wäre natürlich ein Traum.“ Während der Ausbildung bleibt er hauptverantwortlich für die Walldorfer U15, denn „wir haben hier super Möglichkeiten dank ,Anpfiff ins Leben‘ und bekommen ganz viel Unterstützung.“

Integration zweier Flüchtlinge ist größter Erfolg für Georg Mavridis

Der Senior des Trainer-Dreigestirns ist dank seines Sohnes als Jugendtrainer zur SG Heidelberg-Kirchheim gekommen und geblieben, obwohl sich sein Junior schon längst dem Basketball verschrieben hat.

„Es ist eine sehr schöne Erfahrung für mich“, erklärt Georg Mavridis seine Motivation für die Arbeit mit dem Nachwuchs. „Am Anfang hat man das Gefühl, dass man ganz viel gibt, aber man bekommt oft auch sehr viel von den Jungs zurück. Neulich hat mich beispielsweise ein ehemaliger Spieler zu seinem Geburtstag eingeladen, das hat mich überrascht und ziemlich beeindruckt.“

Seit mittlerweile zwölf Jahren coacht der 54-jährige Orthopäde verschiedene Jugendteams in Kirchheim und hat die Entwicklung des „Anpfiff ins Leben“-Jugendförderzentrums vor Ort miterlebt. „Als ich angefangen habe, gab es keine Infrastruktur. Die Herren durften auf den Rasenplatz, für die Jugend blieb entweder der Hartplatz oder eine bessere Wiese übrig“, erinnert sich Mavridis. „Das neue Jugendgebäude und der Kunstrasenplatz haben uns enorm geholfen.“

In der Saison 2016/2017 belegt seine U17 einen hinteren Mittelfeldplatz. Das Ziel Nichtabstieg ist greifbar nah. Der Cheftrainer Mavridis und sein Co. Keith Sanderson können mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden sein. Auf die Höhepunkte seiner Trainer-Tätigkeit angesprochen, klammert Mavridis das Sportliche überraschend aus und antwortet: „Im September 2016 kam ein Flüchtling aus Gambia zu uns, der eine monatelange Odyssee über Land und Wasser hinter sich hatte. Er ist jetzt in einem Haus der Stadt Heidelberg im ,Betreuten Wohnen‘ untergebracht. Ein weiterer Junge aus Kamerun ist mittlerweile bei Pflegeeltern. Beide haben über den Sport gute Ausbildungschancen. Wir helfen ihnen so gut es geht. Dabei haben wir als Verein und Trainer sehr viel gelernt.“

Georg Mavridis engagiert sich noch auf eine andere Art und Weise für junge Menschen: „Ich beschäftige eine Auszubildende, die ich über ,Anpfiff ins Leben‘ kennengelernt habe. Xenia Metz, die gleichzeitig Jugendtrainerin in Kirchheim ist, lernt bei mir und ist eine große Bereicherung für die Praxis.“

erstellt von Christopher Benz 29.04.2017

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